Soeben sind in Transversal, einem multilingualen webjournal, Interviews zur Politik der kulturellen Übersetzung erschienen - in vielsprachigen Versionen. Das neueste Heft: “Gespräche zur Übersetzung” / “Talks on Translation” findet sich auf der translate-website des Projekts eipcp (europäisches institut für progressive kulturpolitik / european institute for progressive cultural policies). Die Gespräche mit Rada Ivekovic´, Ghislaine Glasson Deschaumes, Tomislav Longinovic´, Peter Osborne, Doris Bachmann-Medick, Jon Solomon führte (neben Hito Steyerl) Boris Buden.
Soeben ist ein neuer Sammelband erschienen, der sich mit der Bereicherung der Kulturwissenschaften durch die Perspektive der kulturellen Übersetzung als einer nicht nur interlingualen, sondern auch lebensweltlichen Praxis auseinandersetzt: Andreas Gipper/Susanne Klengel (Hg.), Kultur, Übersetzung, Lebenswelten. Beiträge zu aktuellen Paradigmen der Kulturwissenschaften. Würzburg: Königshausen & Neumann 2008. In konzeptuellen Beiträgen, aber auch in konkreten Fallstudien werden die verschiedenen Formen des “Übersetzungshandelns” in translatorischen Zwischenräumen in den Blick genommen - von den verschiedenen Ausprägungen, Kontaktzonen und Schnittstellen der Kulturwissenschaften in den unterschiedlichen nationalen Wissenskulturen bis hin zu den komplexen Kommunikations- und Übersetzungsprozessen in der entstehenden Weltgesellschaft (besonders auch mit Blick auf Lateinamerika) sowie den gesteigerten Übersetzungsherausforderungen durch Grenzräume, transnationale Erinnerungsformen und das spannungsreiche Zusammentreffen der unterschiedlichen Ausprägungen von Lebenswissen und Lebenswelten. Link zum Inhaltsverzeichnis.
Unter diesem Titel ist kürzlich eine neue, interessante website ans Netz gegangen, die von Master- und Magister-Studierenden des Lateinamerikainstituts der FU Berlin erarbeitet wurde (unter Leitung von Karoline Noack und Stephanie Schütze). Die Inhalte dieser website betreffen Ansätze und Beiträge der Kulturwissenschaften für die Globalisierungsdebatte (wobei vor allem auch der Blickwinkel der lateinamerikanischen Gesellschaften und ihrer spezifischen Ausprägungen von Cultural Studies eingenommen wird - ein in der kulturwissenschaftlichen Diskussion hierzulande immer noch zu sehr vernachlässigtes Feld).
Systematische Rubriken laden zum “Anklicken” ein:
- Wissenskulturen (kulturspezifische Ausprägungen der kulturwissenschaftlichen Diskussion: deutschsprachige Kulturwissenschaften/amerikanische und britische Cultural Studies/ Estudios Culturales);
- Kulturelle Zwischenräume (theoretische Ansätze wie Transkulturalität, Hybridität usw., Konzepte des Dritten Raums, Fallbeispiele der praktischen “Umsetzung”);
- Leitkultur (Multikulturalismus-Diskussion, Zuwanderungsgesetz, Einbürgerungstest usw.).
Neben einer nützlichen Auswahlbibliographie, Kurz-Biographien zu kulturwissenschaftlichen Forscher/innen und Theoretiker/innen und einer Sammlung von links findet sich ein Glossar zu Schlüsselbegriffen, das - wie die website insgesamt - auf Ergänzung und Weiterentwicklung hin angelegt ist.
Nach der Debatte zu “Cultural Turns. Neuorientierungen in den Kulturwissenschaften” in L’Homme. Europäische Zeitschrift für Feministische Geschichtswissenschaft 18,2 (2007) ist im soeben erschienenen neuesten Heft von L’Homme 19,1 (2008) die Replik erschienen. Sie geht vor allem auf die Frage ein,
- ob es sinnvoll wäre, einen Gender Turn zu behaupten,
- was gegen einen eigenen Gender Turn spräche
- und in welche Richtung sich die Gender Studies und die deutschsprachigen Kulturwissenschaften ändern
müssten, damit Gender auf einer anderen Ebene als bisher zu einer unverzichtbaren Analysekategorie in den Kulturwissenschaften werden kann.
Link zur Debatte über “Cultural Turns”
Link zur Replik
Soeben ist die 4. aktualisierte und erweiterte Auflage des von Ansgar Nünning hg. Metzler Lexikons Literatur- und Kulturtheorie erschienen - mit vielen neuen Artikeln, die wichtigen “Neuorientierungen” in den Kulturwissenschaften entsprechen:
“Afroamerikanische Literaturtheorien”, “Bildwissenschaft”, “Biopoetics/Evolutionäre Literaturpsychologie”, “Iconic Turn”, “Kognitive Poetik”, “Lebenswissen und Lebenswissenschaften”, “Material Culture Studies”, “Narrativistische Ansätze”, “New Economic Criticism”, “Raumtheorien”, “Spatial Turn”, “Trauma und Traumatheorien”, “Visual Culture Studies”,
aber auch literatur- und kulturtheoretische Grundbegriffe wie “Contact Zone”, “Diaspora”, “Fetisch/Fetischismus”, “Generation”, “Glokal/Glokalisierung”, “Grenze/Grenzziehung”, “Kultur als Text”, “Spur”, “Stimme”, “Transgression”, “Transnational/Transnationalität” und andere -
nicht zu vergessen die Neueinträge zu Literatur- und KulturtheoretikerInnen wie “Giorgio Agamben”, “Mieke Bal”, “Michel de Certeau”, “Aleida und Jan Assmann”, “Guy Debord” und “René Girard”.
Das erste Heft der neuen Routledge-Zeitschrift Translation Studies ist zu Beginn des Jahres 2008 erschienen!
Wie verhalten sich Cultural Turns zu Gender Studies? Im neuesten Heft von L’Homme. Europäische Zeitschrift für Feministische Geschichtswissenschaft 18,2 (2007) (Themenheft “Geschlechtergeschichte, gegenwärtig”. Hg. Caroline Arni und Susanna Burghartz) wird im Forum der Band “Cultural Turns. Neuorientierungen in den Kulturwissenschaften” zur Diskussion gestellt von Christoph Conrad, Hanna Hacker, Barbara Lüthi und Elisabeth Timm (S. 123-138).
Der soeben erschienene Sammelband
“Räume des Selbst. Selbstzeugnisforschung transkulturell”. Hg. Andreas Bähr, Peter Burschel, Gabriele Jancke. Köln, Weimar, Wien: Böhlau 2007
ist ein Beitrag zum “spatial turn”, der die Raumperspektive erfreulicherweise nicht nur auf konzeptueller Ebene verfolgt. Vielmehr wird der theoretisch geschärfte Blick auf Raum, Raumwahrnehmung und Verortung des Selbst in empirisch-historischen Fallstudien konkretisiert. Der Band, der aus einer Konferenz im März 2006 hervorgangen ist, verknüpft den aktuellen Raumfokus mit einer transkulturell ausgerichteten historischen Selbstzeugnisforschung, wie sie in der DFG-Forschergruppe “Selbstzeugnisse in transkultureller Perspektive” an der FU Berlin gegenwärtig profiliert wird.
Travelling Concepts - unter diesem Thema veranstaltet das GWZO (Geisteswissenschaftliches Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas) in Leipzig am 8. und 9. November 2007 seine Jahrestagung. Nach einem Eröffnungsvortrag (Doris Bachmann-Medick: Von der Hybridität zur Übersetzung. Konzepte in Bewegung) werden sich fünf Sektionen mit der transnationalen “Wanderung” von Konzepten und Theorien beschäftigen: Verschiebungen/shifts - Wandlungen/Metamorphosis - Polarisierungen /Polarizations - Ausblendungen/Obscurations - Politisierungen/Politizations. Schon hier deutet sich an, dass die Reisewege der Theorien keineswegs glatt verlaufen, sondern über Umwege, Verzweigungen und Verwerfungen.
In der Juli-Ausgabe der alternativen, kulturkritischen Wiener Monatszeitung MALMOE gibt es eine Doppelseite zu “Cultural Turns” und ihren Impulsen für eine engagierte Kulturwissenschaft. Neben einer Rezension zu vier kulturwissenschaftlichen Neuerscheinungen (”4 Varianten des kulturtheoretischen Einstiegs”) findet sich unter dem Titel “Kritischer Überschuss” ein Interview mit Doris Bachmann-Medick “über den politischen Gehalt kritischer Kulturwissenschaften, neue Analysekategorien und die Herausforderungen der veränderten Welt nach 9/11 für die Kulturwissenschaften.” Eine Langfassung dieses Interviews (geführt von Ingo Lauggas) ist zugänglich in der online-Ausgabe von MALMOE (www.malmoe.org).